Wenn eine Patientin in Wien-Liesing nach „Hausarzt in der Nähe" googelt, entscheiden drei Dinge, wer in der Top-3-Liste auftaucht: Google Business Profile (wichtigster Faktor), NAP-Konsistenz und lokale Signale. Das Google Business Profile (ehemals Google My Business) ist 2026 der Hebel mit dem besten Aufwands-Wirkungs-Verhältnis für niedergelassene Ärzt:innen — und gleichzeitig eine der drei wichtigsten Quellen für Google AI Overviews und ChatGPT-Antworten zu Praxis-Fragen.
Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie die Optimierung 2026 aussieht — inklusive der Felder, die 90 % aller Praxen übersehen, und der rechtlichen Grenzen durch ÖÄK-Werberichtlinie.
Warum Google Business 2026 wichtiger ist als je
Drei Gründe machen GBP zum zentralen Hebel:
- Google Maps = erste Anlaufstelle für lokale medizinische Suchen. Patient:innen öffnen das Handy und tippen „Hausarzt Wien-Liesing" — und sehen die Top-3-Karte, nicht die klassische Google-Ergebnisseite.
- Google AI Overviews (seit 2024 breit ausgerollt) nutzen GBP-Daten priorisiert für ihre Antworten. Wer hier vollständig und aktuell ist, landet in der KI-Antwort.
- NAP-Konsistenz zwischen GBP, Website, DocFinder und anderen Verzeichnissen verstärkt das Ranking-Signal mehrfach.
Eine vollständig optimierte GBP-Seite kostet einmalig ~2 Stunden Setup-Arbeit und monatlich ~15 Minuten Pflege. Der ROI liegt deutlich über jedem anderen Marketing-Kanal für lokale Arztpraxen.
Schritt 1: Profil beanspruchen und verifizieren
Zuerst prüfen, ob ein Profil bereits existiert: Google Maps öffnen, Praxis-Adresse suchen. Google legt oft automatisch Einträge aus öffentlichen Quellen an (Ärztekammer, Herold, Google-Datenbank).
Wenn noch kein Profil existiert: google.com/business aufrufen, Praxis neu anlegen.
Wenn ein Profil existiert, aber nicht verifiziert ist: „Dieses Unternehmen beanspruchen" klicken. Verifizierung in Österreich erfolgt meist per Postkarte an die Ordinations-Adresse (14 Tage Laufzeit). Alternative: Telefon-Verifizierung, wenn Google sie anbietet.
Mehrere Standorte: Bei Gruppenpraxen und Ärztezentren jede Ordinations-Adresse einzeln als Profil anlegen — nicht als ein Profil mit „mehreren Standorten" zusammenfassen.
Schritt 2: Die acht kritischen Felder richtig setzen
1. Name. Muss exakt dem Ordinations-Schild entsprechen. Keywords wie „bester" oder „günstiger" sind verboten (Google sperrt Profile bei Regelverstoß). Erlaubt: „Dr. med. Anna Müller, Allgemeinmedizin" — Titel + Name + Fachrichtung, sofern Fachrichtung Teil der offiziellen Berufsbezeichnung ist.
2. Primär-Kategorie. Die wichtigste Einstellung für das Ranking. Wählen Sie die spezifischste Kategorie, die auf Sie zutrifft — nicht die allgemeinste:
- Hausarzt statt „Arztpraxis" (spezifischer = besseres Ranking)
- Facharzt für Dermatologie statt „Arzt"
- Zahnarzt (eigene Kategorie) statt „Arzt"
Google hat in Österreich ~80 medizinische Kategorien verfügbar — die meisten Praxen nutzen zu generische Einträge.
3. Sekundär-Kategorien. Bis zu 9 weitere möglich. Nutzen Sie sie für Schwerpunkte („Diabetologie", „Schmerztherapie", „Präventivmedizin"), aber nicht zum Stuffing.
4. Adresse. Vollständig mit PLZ, Ort, Bezirk. Wichtig: genau wie auf der Website und auf DocFinder. Inkonsistenz ist der häufigste Ranking-Killer.
5. Öffnungszeiten. Exakt, inklusive Sondersprechzeiten. Feiertage müssen manuell als „besondere Öffnungszeiten" eingetragen werden — österreichische Feiertage wie 1. November (Allerheiligen), 8. Dezember (Mariä Empfängnis) fehlen bei vielen Praxen. Urlaubszeiten ebenfalls eintragen — sonst verlieren Sie Patient:innen, die im geschlossenen Wartezimmer vor der Tür stehen.
6. Services. Bis zu 20 Services auflistbar. Für Hausärzt:innen z. B.: Impfungen, Vorsorgeuntersuchung, Blutabnahme, e-Rezept, Hausbesuche, Wundversorgung, Atteste, Bescheinigungen. Je konkreter, desto besser für die Ranking-Treffer.
7. Beschreibung (750 Zeichen). Das ist der Text, den Google in der Karten-Seitenleiste zeigt — und den AI Overviews oft zitieren. ÖÄK-Konformität beachten: keine Heilversprechen, keine Superlative, keine Vergleiche. Guter Aufbau:
- Satz 1: Wer Sie sind + Hauptrichtung („Hausarzt-Ordination in Wien-Liesing, Schwerpunkt Familienmedizin")
- Satz 2-3: Kerndienste („Kassenordination mit ÖGK, BVAEB, SVS. Termin-Buchung online möglich.")
- Satz 4-5: Besonderheiten („Mehrsprachig Deutsch und Türkisch. Barrierefreier Zugang. Akzeptiert neue Patient:innen.")
8. Attribute. Unterschätzt, aber stark. Mindestens aktivieren:
- „Barrierefreier Zugang" (Pflicht wegen BFSG ab Juni 2025)
- „Akzeptiert neue Patient:innen" (hohes Such-Signal!)
- „Wheelchair accessible entrance"
- „Wheelchair accessible restroom" (wenn zutreffend)
- „Identifies as women-owned" (wo zutreffend — Filter-Kriterium)
- „LGBTQ+ friendly" (wo zutreffend)
- Sprachen, die in der Ordination gesprochen werden
Schritt 3: Fotos richtig setzen
Google zeigt Fotos prominent in der Karten-Vorschau. Minimum-Set:
- Außenansicht der Ordinations-Eingang (Schild, Türschild, Hausnummer sichtbar)
- Wartezimmer (ohne Patient:innen)
- Sprechzimmer (neutral, ohne Patientendaten im Bild)
- Teambild (mit Einverständnis aller Mitarbeiter:innen)
- Logo als Profilbild
Wichtig: keine Stock-Fotos — Google erkennt das und wertet das Profil ab. Echte Fotos mit Smartphone reichen aus, wenn sie hell und scharf sind.
Häufiger Fehler: Fotos einmal hochladen und nie wieder. Google belohnt regelmäßiges Hinzufügen (einmal pro Monat ein neues Foto aus der Praxis, z. B. neues Gerät, Impf-Saison-Hinweis).
Schritt 4: Posts und Updates — der versteckte Ranking-Boost
Im GBP können Sie regelmäßig Posts veröffentlichen — ähnlich wie Social-Media-Einträge, aber direkt in der Karten-Vorschau sichtbar.
Gute Post-Themen für Praxen:
- „Impf-Saison: Grippe-Impfung ab 15. Oktober möglich"
- „Neue Sprechzeit Freitag 14-18 Uhr ab November"
- „Urlaubszeit 24.-26.12. geschlossen, Vertretung: Dr. XY"
- „Blutabnahme-Termine jetzt online buchbar"
Ein Post pro Monat reicht, um Google zu signalisieren: diese Praxis ist aktiv. Das wirkt messbar auf das Ranking.
Schritt 5: Bewertungen aktiv managen
Bewertungen sind ein direkter Ranking-Faktor — und gleichzeitig ein rechtliches Minenfeld (mehr dazu im separaten Artikel zu Bewertungen rechtssicher). Kurz-Regeln für GBP:
- Alle Bewertungen beantworten — positive kurz bedanken, negative sachlich ohne Gegenangriff
- Keine Wertungen in Patient:innen-Gesprächen einfordern — aber eine sachliche Information auf der Website („Über Google Bewertungen freuen wir uns") ist erlaubt
- Keine falschen Positiv-Bewertungen kaufen oder selbst schreiben — Google erkennt das und das Profil wird gesperrt
Häufige Fehler, die Praxen machen
- Generische Kategorie („Arztpraxis" statt „Hausarzt") — kostet Top-Ranking-Plätze
- NAP-Inkonsistenz zwischen GBP, Website, DocFinder — schwächt alle Signale
- Feiertage nicht eingetragen — Patient:innen stehen vor geschlossener Tür, negative Bewertungen
- Zu lange Name mit Keywords — Profil wird gesperrt
- Stock-Fotos — Ranking-Abwertung
- Beschreibung mit Marketing-Sprech — ÖÄK-Problem plus schlechter als faktische Beschreibung
- Keine Attribute — besonders „Akzeptiert neue Patient:innen" ist ein oft fehlendes Top-Signal
- Keine Posts — Praxis wirkt inaktiv
Verbindung zu KI-Sichtbarkeit (ChatGPT, Perplexity, Google AI)
GBP-Daten werden von KI-Systemen priorisiert ausgelesen:
- Google AI Overviews nutzen GBP direkt als Datenquelle
- Perplexity crawlt Google Maps über seine Sonar-Infrastruktur
- ChatGPT nutzt Bing-Crawling, das GBP-Daten mit einbezieht
- Claude und Gemini folgen ähnlichen Mustern
Ein vollständig optimiertes GBP-Profil ist damit gleichzeitig Lokales-SEO-Hebel und KI-Sichtbarkeits-Baustein. Kombiniert mit eigener Praxiswebsite mit Schema.org MedicalBusiness (siehe unser Artikel zur KI-Sichtbarkeit) entsteht ein starkes zweistufiges Signal.
Fazit: 2 Stunden Einmal-Investment, jeden Monat 15 Minuten Pflege
Kein anderer Marketing-Kanal liefert so viel lokale Sichtbarkeit bei so geringem Aufwand wie ein gut gepflegtes Google Business Profile. Wer die oben genannten acht Felder korrekt setzt, regelmäßig Fotos hinzufügt und einmal pro Monat einen Post schreibt, wird in seinem Einzugsgebiet messbar sichtbarer — und gleichzeitig in der KI-Suche besser erfasst.
Die häufigsten Fehler (Generische Kategorie, NAP-Inkonsistenz, fehlende Attribute) sind in 10 Minuten zu korrigieren — und bringen oft mehr als jede teure Anzeigen-Kampagne.
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